Oberlandesgericht Hamm bestätigt Rückforderung von Spielverlusten aus unzulässigem Online-Casino
Geschrieben von Yves Coleman · 4.10.2026

Oberlandesgericht Hamm bestätigt Rückforderung von Spielverlusten aus unzulässigem Online-Casino

Das Oberlandesgericht Hamm hat die Berufung der Betfair Casino Ltd. zurückgewiesen und damit eine Entscheidung des Landgerichts Bochum bestätigt, wonach ein Spieler Anspruch auf vollständige Rückerstattung von etwa 40.855 Euro hat, die er zwischen Mai und Oktober 2015 auf einer nicht lizenzierten Online-Casino-Plattform über eine deutschsprachige Website verloren hatte. Die Gerichte stuften die Verträge als nichtig ein, weil sie gegen das vor 2021 geltende Glücksspielstaatsvertrag verstießen, der unzulässiges Online-Glücksspiel untersagte, und behandelten diese Regelung als Schutzgesetz zugunsten der Spieler. Diese Entscheidung stärkt bestehende rechtliche Möglichkeiten zur Rückforderung von Verlusten aus unzulässigen Online-Casino-Angeboten in Deutschland.
Hintergründe des Verfahrens
Der Spieler hatte zwischen Mai und Oktober 2015 auf der Plattform von Betfair Casino Ltd. Einsätze getätigt, die über eine deutschsprachige Website zugänglich waren. Das Landgericht Bochum hatte bereits festgestellt, dass die zugrunde liegenden Verträge wegen Verstoßes gegen das damalige Verbot unzulässigen Online-Glücksspiels nichtig waren. Betfair Casino Ltd. legte Berufung ein, doch das Oberlandesgericht Hamm wies diese im weiteren Verlauf zurück und bestätigte die Erstinstanzentscheidung vollständig. Beide Gerichte sahen das Verbot als Schutzvorschrift, die Spielern die Möglichkeit eröffnet, gezahlte Beträge zurückzufordern, weil die Plattform ohne erforderliche Lizenz operierte.
Rechtliche Bewertung durch die Gerichte
Die Richter des Oberlandesgerichts Hamm prüften die Anwendbarkeit des Glücksspielstaatsvertrags in seiner bis 2021 gültigen Fassung und kamen zu dem Ergebnis, dass die erzielten Verträge gegen dessen zentrale Verbotsnormen verstießen. Sie betonten, dass das Verbot unzulässigen Online-Glücksspiels nicht nur ordnungsrechtliche Zwecke verfolgt, sondern auch den Schutz der Spieler bezweckt. Deshalb können Verluste aus solchen Geschäften zurückgefordert werden. Die Entscheidung stützt sich auf die konkreten Umstände des Falls, darunter die fehlende Lizenz der Betreiberin und die Tatsache, dass die Angebote gezielt an deutsche Nutzer gerichtet waren.

Beobachter der Glücksspielbranche weisen darauf hin, dass vergleichbare Verfahren in mehreren Bundesländern anhängig sind und die Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Hamm als Orientierung dienen kann. Die Höhe der zurückgeforderten Summe von rund 40.855 Euro ergab sich aus den dokumentierten Transaktionen des Spielers in dem genannten Zeitraum. Das Gericht stellte fest, dass die Rückerstattungspflicht unabhängig davon besteht, ob der Spieler Gewinne oder Verluste erzielte, solange die Verträge nichtig waren.
Auswirkungen auf laufende und zukünftige Verfahren
Die Bestätigung der Bochumer Entscheidung durch das Oberlandesgericht Hamm eröffnet weiteren Spielern, die zwischen 2015 und dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags 2021 auf unzulässigen Plattformen gespielt haben, die Möglichkeit, ihre Verluste geltend zu machen. Rechtsanwälte, die solche Fälle bearbeiten, verweisen auf die klare Linie der Gerichte, wonach das Schutzgesetzcharakter des Verbots eine Rückforderung ermöglicht. In der Praxis bedeutet dies, dass Betreiber ohne deutsche Lizenz mit zivilrechtlichen Ansprüchen konfrontiert werden können, selbst wenn die Spiele über ausländische Server abgewickelt wurden.
Experten aus der Rechtswissenschaft betonen, dass die Entscheidung keine neuen gesetzlichen Regelungen schafft, sondern bestehende Vorschriften konsequent anwendet. Die Rechtsprechung bleibt für Fälle relevant, die vor dem 1. Juli 2021 entstanden sind. Spieler, die in diesem Zeitraum auf nicht lizenzierten Angeboten Verluste erlitten haben, können sich an spezialisierte Kanzleien wenden, um ihre Ansprüche prüfen zu lassen. Die Gerichte haben in vergleichbaren Verfahren bereits mehrfach betont, dass die Nichtigkeit der Verträge zur vollständigen Rückzahlung führt.
Schlussfolgerung
Die Zurückweisung der Berufung durch das Oberlandesgericht Hamm festigt die Position von Spielern, die Verluste aus unzulässigem Online-Glücksspiel vor 2021 zurückfordern möchten. Die Entscheidung bestätigt, dass das Verbot im Glücksspielstaatsvertrag als Schutzgesetz wirkt und zivilrechtliche Ansprüche begründet. Betroffene Personen können sich auf diese Rechtsprechung stützen, während Betreiber ohne Lizenz mit entsprechenden Forderungen rechnen müssen. Die Entwicklung zeigt, dass deutsche Gerichte weiterhin Einzelfallprüfungen vornehmen und die gesetzlichen Vorgaben strikt auslegen. Weitere Informationen finden sich auf Seiten wie der Kanzlei CLLB sowie bei staatlichen Stellen zur Glücksspielaufsicht.